Grün fährt mit der Eisenbahn. Zwei unverträgliche, zänkische Damen sind in seinem Abteil. "Eh, ich muß das Fenster auf haben", sagt die eine. "Ich muß es geschlossen haben", meutert die andere. "Ich muss es aber auf haben", sagt die erste, "sonst werde ich ersticken." "Und ich muß es geschlossen haben", trumpft die andere auf, "sonst muß ich erfrieren." "Nuna", sagt Grün. "Da machen wir ein Urteil von Salomon: Machen wir erst das Fenster auf, bis die eine erfriert, dann machen wir es zu, bis die andere erstickt."
Die kleine Sarah fährt mit ihrer Mutter von Tel Aviv nach Haifa. Der Schaffner kommt. Er sieht das liebliche, nette Kind, er streicht ihr über die Locken und fragt: "Wie alt bist du denn, Kleines?" Darauf erhebt sich Sarah und entgegnet würdevoll: "Wenn das Ministerium für Eisenbahnfahrten nichts dagegen hat, möchte ich den vollen Fahrpreis entrichten und mein Alter für mich behalten."
"Der neue Papst ist ein netter Mann", schwärmt Blau. "Warum?" "Nun, er hat jetzt einberufen eine Konferenz für die katholischen Bischöfe." "Und was machen die da?" "Sie besprechen, daß es vielleicht doch nicht die Juden waren, die Christus ans Kreuz geschlagen haben, um zu versöhnen uns." "Oh", sagt Moische, "wer soll's denn gewesen sein?" "Ich weiß nicht ganz genau", sagt Blau, "aber ich glaube, sie haben die Chinesen im Verdacht."
Die Israelis sind recht knapp in Devisen. Die Regierung hat eine irrsinnig hohe Steuer auf Luxusgüter. Und deswegen wird jeder Reisende, der aus dem Ausland kommt, untersucht, ob er auch nichts einschmuggelt, was sonst hoch versteuert werden müßte. Moische war in Paris. Und er hat seiner Frau einen süßen, kleinen Minischirm mitgebracht, den er in die Hosentasche steckt. Wie das Übel es will - die Passagiere müssen sich einer starken Kontrolle unterziehen; Moische wird sogar von einem Zöllner abgetastet. Der fängt oben an, tastet, tastet - und kommt dann an die Hosentasche. Er fühlt. "Was ist das?" fragt er streng und tritt einen Schritt zurück. "Oh, wissen Sie, Herr Zöllner", sagt Moische. "Das ist eine kleine süße Überraschung für meine Frau." "Aha", lächelt der Zöllner. "Jetzt aber schnell nach Hause!"
Der Geschäftsinhaber Silberstein liegt im Sterben. Und er möchte alle seine Angelegenheiten regeln, auch die finanziellen. "Hört zu", sagt er zu seinen Söhnen, zu seiner Frau und zu dem Rabbi, die um das Bett stehen. "Rosenzweig, der schuldet uns 10000 Mark." "Habt ihr's alle gehört?" sagt der älteste Sohn Uri.
Es hat lange gedauert, bis sich Silberzweig entschlossen hat, zu seinen Verwandten zu fahren. Und jetzt, ganz atemlos, kommt er auf dem Bahnhof angerannt -und der Zug ist weg. "Na", fragt ihn Kohn, der auf dem Bahnhof wartet, mitfühlend. "Ist dir der Zug vor der Nase weggefahren?" "Nebbich", keucht Silberzweig. "Werd ich ihn verscheucht haben?"
Silberstein ruft Grünspan an. "Hör mal, Grünspan", sagt er. "Muß ich bleiben ein paar Tage in der Stadt. Die Hotels sind alle besetzt. Kann ich schlafen bei dir?" "Ui!" bedauert Grünspan. "Mein lieber Silberstein, das geht nicht. Meine Zimmer sind alle voll. Ein Haufen voll Besuch." "Was soll ich nun machen?" klagt Silberstein. "Weißt du", sagt Grünspan. "Wenn ich war in deiner Situation früher - dann bin ich immer gegangen in ein Puff." "Nebbich!" schreit Silberstein auf. "Geht doch nicht, hab ich doch meine Frau dabei." "Macht nichts, macht nichts", tröstet Grünspan. "Zahlst du einfach Korkengeld."
Eine israelische Delegation besucht Deutschland. "Wieviel verdient ein Arbeiter in Deutschland?" fragt der Politiker aus Tel Aviv den aus Bonn. "1500 Mark im Monat." "Und wieviel braucht er zum Leben!" "Vielleicht 1200 Mark." "Was macht er mit dem Rest!" "Wir sind ein freies Land und fragen nicht danach", verkündet stolz der deutsche Politiker. Er stellt die Gegenfrage. "Wieviel verdient ein Arbeiter in Tel Aviv?" "Nach Ihrem Geld gerechnet, so um die 1000 Mark im Monat." "Und wieviel braucht er zum Leben?" "1500 Mark." "1500 Mark?" fragt der Deutsche erstaunt. "Wo nimmt er denn die Differenz her?" "Wissen Sie", sagt der Mann aus Tel Aviv stolz. "Sind wir ein freies Land und fragen nicht danach."
Moische und Kohn, Geschäftspartner, gehen zusammen abends zur Synagoge. Fünf Schritte von der Synagoge bleibt Moische plötzlich stehen und sagt: "Au, au, au, au!" "Was hast du denn?", fragt Kohn. "Au, habe ich vergessen den Tresor abzuschließen", jammert Moische. "Macht nichts", sagt Kohn, "wir sind ja beide hier."
Lange Zeit schon haben die Israelis die Golanhöhen besetzt. Die syrischen Bauern sind zurückgekehrt, und sie haben sich, so weit es geht, mit den israelischen Soldaten angefreundet. Ein israelischer Soldat wird sogar eines Tages von einem syrischen Bauern zu einem Hammelessen eingeladen. Der Bauer ißt ein dickes Stück Lende, mindestens zwei Pfund schwer, schlingt es mit großem Genuß hinunter. "Oh", sagt der Israeli. "Jusuf, deinen Appetit möchte ich haben." Bedächtig wischt sich Jusuf den Mund ab. "Hör' mal zu Moische", sagt er. "Was wollt ihr Juden denn eigentlich noch? Erst nehmt ihr uns das Land weg, dann die Häuser und jetzt wollt ihr auch noch unseren Appetit haben!"
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